Protest: Stralsunder Brauerei schickt Bundesehrenpreis zurück an Agrarministerin Aigner

06. Mai 2009. Presse & Öffentlichkeitsarbeit Stralsunder Brauerei GmbH 

Stralsund. Mit einem Paukenschlag reagiert die Stralsunder Brauerei heute auf die gestern veröffentlichte Genehmigung des Freilandversuchs mit gentechnisch veränderter Gerste in der Gemeinde Thulendorf in der Nähe von Rostock. Aus Protest gab Markus Berberich, der Geschäftsführer der renommierten Brauerei, den kurz zuvor am 23. April durch die Bundesagrarministerin überreichten Bundesehrenpreis für die Stralsunder Brauerei an Ilse Aigner zurück.

Zuvor hatte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit am 4. Mai die Freilandversuche mit gentechnisch veränderter Gerste genehmigt. Bereits am morgigen Donnerstag kann mit der Aussaat der gentechnisch veränderten Gerste begonnen werden. Das ist ein Schlag ins Gesicht für Mensch und Umwelt , begründet Berberich die Ruckgabe der höchsten Auszeichnung, die an eine deutsche Brauerei verliehen werden kann. Darüber hinaus stünde diese Genehmigung im krassen Widerspruch zu den Aussagen der Bundesagrarministerin, die im Rahmen der Preisübergabe in Berlin das Deutsche Reinheitsgebot noch als höchstes Gut der hiesigen Braukultur vor der versammelten Brauwirtschaft gepriesen hat. Somit ist dieser aus den Händen von Frau Aigner an die Stralsunder Brauerei überreichte Preis für uns nichts mehr wert.  

Bereits im Februar hatte der Geschäftsführer der Stralsunder Brauerei in einem Offenen Brief an den Ministerpräisdenten des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering, vor den Gefahren dieses Versuchs gewarnt. Er fand jedoch ebenso wenig Gehör, wie betroffene Landwirte oder aber ein protestierender Umweltverband. Insgesamt gab es etwa 1.400 Einwendungen gegen das von der Universität Gießen vorangetriebene Projekt im fernen Mecklenburg-Vorpommern.

 

HINTERGRUND

Bereits vor der Aussaat warnten Landwirte, vor der Aussaat gentechnisch veränderter Gerste. Die gentechnischen Veränderungen beträfen auch Braugerste. Gerade das Bier mit seinem traditionellen Reinheitsgebot sei durch jede Verunreinigung sofort stark betroffen. 

Der geplante Versuch ist eine Wiederholung eines Experiments aus Gießen. Dort war in den Jahren 2006 bis 2008 die Freisetzung am Widerstand aus der Bevölkerung gescheitert. Schon während dieser Phase aber war erkennbar, dass sich die Versuchsleiter an Sicherheitsauflagen nicht halten. Ein Mäuseschutz wurde gar nicht errichtet, zweimal wuchs die gentechnisch veränderte Gerste außerhalb der geschützten Bereiche. Damit war sie gegen eine direkte Verbreitung in die Umwelt nicht mehr geschützt. 

Gerstenpollen gelangen trotz einer hohen Selbstbestäubungsrate in die Luft und werden dort sehr weit verweht. (s. Pollenkalender) 

Gentechnikkritiker haben inzwischen nachgewiesen, dass die angeblichen Ziele des Gerstenversuches nur behauptet werden, um an hohe Fördermittel zu kommen. Tatsächlich soll Produkt- und Methodenentwicklung betrieben werden. In dieser Sache sind bereits vor längerer Zeit Strafanzeigen gegen die Versuchsleitung eingereicht worden.

Der Gengersteversuch wird als wissenschaftliches Experiment dargestellt. Allein der Aussaatzeitpunkt ab 7. Mai macht aber eine seriöse Forschung nicht mehr möglich.

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